Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

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OE5AKM
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Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von OE5AKM » 8. Jan 2019, 11:01

Servus Kollegen!

Seit einigen Tagen gibt es in OE witterungsbedingte Notlagen (abgeschnittene Täler, gesperrte Straßen, massive Stromausfälle, Lawinenabgänge, vermisste Personen usw.). Dennoch finde ich in den Medien keinerlei Hinweise auf Funkamateure, die in dieser Situation mit ihren speziellen Kommunikationsmöglichkeiten Hilfe geleistet hätten...

Braucht man uns am Ende gar nicht mehr? Machen wir uns etwas vor, wenn wir immer wieder unsere Hilfe im Not- und Katastrophenfall hervorkehren? Machen wir uns eventuell in den Augen der Öffentlichkeit damit sogar lächerlich?

73, Alfred, OE5AKM

DL8CBM
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Re: Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von DL8CBM » 8. Jan 2019, 11:31

Also wenn man in der Öffentlichkeit das zu sehr herausstellt mit der Notfall Kommunikation kann das durchaus sein, daß das bei einigen eher lächerlich ankommt. "So ein Quatsch, für Notfälle hab ich doch mein Handy" und so weiter. Hier muss man also wirklich recht genau überlegen, ob Notfunk das Argument ist, daß andere überzeugt.
Die Aktuellen Probleme durch Schneefall im Alpenraum sind auch noch nicht so gravierend, daß da Notfunk nötig wäre. Die Alpenregionen sind kräftige Schneefälle eigentlich gewohnt. Damit können die umgehen.

Es müsste deutlich mehr passieren, daß Notfunk wirklich zum Tragen kommt.

Daher ist Notfunk für weite Teile der Bevölkerung so etwas ähnliches wie Preppen (so weit ist das ja auch nicht weg). Viele sehen das eher als Spinnerei an, und nicht als Vorbereitung auf größere K-Fälle. Auch weil solche Fälle eben so selten passieren, daß sowas den meisten Menschen eher fremd ist. Und generell befasst man sich ja auch lieber mit schönen Zukunftsaussichten, als mit der Planung von Geschehnissen, die potentiell gefährlich sind.
Das liegt in der Natur des Menschen. Unangenehmes wird lieber verdrängt. Deswegen sehen auch Bewohner Neapels den Vesuv nicht als echte Bedrohung, und auch in Gebieten wo es regelmäßig Erdbeben gibt, sind die Menschen oft wieder aufs neue Überrascht, daß es schon wieder eines gibt...

Damit muss man leben, diese Einstellung der breiten Bevölkerung wird man nicht ändern können. Der Mensch handelt erst, wenn es weh tut. Daher bleibt dem Notfunker nur übrig, für sich, bzw zusammen mit anderen Notfunkern den Einsatz vorzubereiten, ohne großartig (negativ) aufzufallen. So daß wir da sind, wenn man uns braucht. Solange man uns nicht braucht, wird sich keiner um uns kümmern oder wir werden eher als Spinner angesehen.
Ist teilweise etwas frustrierend diese Feststellung, aber es wird einem nichts anderes übrig bleiben, als der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.

DL8SFZ
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Re: Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von DL8SFZ » 8. Jan 2019, 11:38

Hallo Alfred,
Das Wort Katastrophe wird sehr inflationär verwendet. Da werden völlig normale Situationen, wie sie immer wieder kurzfristig auftreten, von den Medien als Katastrophe beschrieben, obwohl es gar keine ist. Wie gestern, die Strasse nach Untertauern ist gesperrt, alle Menschen von der Aussenwelt abgeschnitten. Hast du mal nachgesehen? zu dem angegebenen Ort gibt es von zwei Richtungen eine Strasse, nur, wenn ich keinen Umweg fahren will, bin ich auch von der Aussenwelt abgeschnitten...

Ausserdem: Was sollen wir mit unseren Funkgeräten denn machen, wenn alle Telefone funktionieren? Decken schleppen, Schnee schippen, Tee verteilen?

2m Schnee waren in meinem langjährigen Skiort Latschau bei Schruns was völlig normales, da hat keiner von einer Katastrophe geredet. Und es war auch normal, dass die Bergstrasse morgens um 7 noch nicht frei war, sondern erst um 10 oder 11, wenn die Fräse durch war.

Also alles halb so wild in Österreich. Nur, sowas würde doch keiner in den Nachrichten unbedingt sehen wollen, oder? Schlagzeilen müssen es sein!

Gruß Stefan

P.S.:Ups, hat sich mit überschnitten
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Funkonaut
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Re: Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von Funkonaut » 8. Jan 2019, 11:43

Trotzdem ->Ja!
Das Wenigste, was in unseren Breiten zusammenbricht ist die Kommunikation. Deine Hilfe bringt nur etwas, wenn Du Deine Schneeschuhe anlegst und ein paar Dosen Trockenfutter in die abgetrennten Gebiete bringst und die Räumschaufel nicht vergisst.
Abgesehen davon wird heute alles hochproblematisiert. Diese Wintereinbrüche mit Schnee hatten wir früher schon genauso.
Da hat man sich zurückgelehnt und einen heißen Grog zu sich genommen und die Ruhe genossen.
Für solche Fälle gab es den Begriff "Bevorratung". Mir ist so, als würde das sogar von der Regierung empfohlen. Ich bin zwar kein Prepper, aber auch in der nicht mit Schneeproblematik belasteten Großstadt komme ich mit meinen Trockennudeln über eine Woche, wobei essensmäßig kurzzutreten für einen großen Teil unserer Bevölkerung auch schon von Vorteil wäre. ;)
Welche größeren K-Fälle sollten bitte eintreten, wo wir Freizeitfunker tatsächliche Hilfe leisten können?
Also bitte nicht persönlich nehmen, jetzt kommen sicherlich die anderen Meinungen, aber ich kümmere mich in Bezug auf Notromversorgung etc. -was bei unseren "Notfunkexperten" immer ausführlich diskutiert wird- erstmal um mich selber und glaube nicht, dass ich mit meinem Shack etwas bewegen kann. (ich rede von unserem Teil der Welt, wo ich die Sendeantennen der Profis auf den Hausdächern ringsherum sehen kann.)
Wenn ich einen Notruf aus z.B. "HI" höre, werde ich kaum die Karibikflotte zur Hilfe hinsenden, da die das schon schneller "geschnallt" haben als ich als Freizeitnotfunker.
Sehe gerade, dass DL8CBM schon schneller war, sende den Post trotzdem ab und hoffe, dass Du nicht zum Schneeschippen raus musst 8-)
73 Mario

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Re: Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von Funkonaut » 8. Jan 2019, 11:48

Sorry, Stefan war natürlich auch noch schneller-ich schreibe wohl zu langsam-bin also für Katastrophenhilfe völlig ungeeignet.
Bild

DL8SFZ
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Re: Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von DL8SFZ » 8. Jan 2019, 14:23

Mario, da gibt es sogar ziemlich genaue Vorstellungen, wann wir, die Funkamateure aktiv werden sollen. Nämlich nicht wirklich von uns aus, sondern dann, wenn wir gerufen werden! Und das sind Fälle, die zum Glück wirklich sehr selten eintreffen. Beispiel Oder-Hochwasser damals. Das war auch nur ein eingeschränkter Katastrophenfall, weil ja bereits 500m neben der Oder schon wieder alles okay gewesen sein könnte.

Ich sehe den Notfunkeinsatz wirklich nur bei großen, Flächendeckenden Stromausfällen, egal wodurch auch entstanden.
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DC4LO
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Re: Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von DC4LO » 8. Jan 2019, 17:06

Hallo Mario und zusammen,
die Stromausfälle und Netzverbindungen schlagen heute quer durch Europa durch. Wir hatten vor 3 Jahren:

1. Stromausfall für 6 Stunden für die halbe Stadt und Umland. Telefon/Rettungsdienst/Polizei/Stadtwerke/Handy ... alles aus. Nix ging mehr hier. Die Supermärkte mussten Ihre Kühlware entsorgen

2. Man kann auch nicht einkaufen wegen den Kassen

3. Man kann auch nicht tanken wegen den Pumpen und der Kasse

4. Es konnte nur 3 Bürgern in unserer Stadt an diesem Tag nicht geholfen werden, weil die Rettungszentrale hatte Strom aber die Weiterleitung klappte nicht, sie starben

5. Gleiches Problem hatten wir 1 Jahr später wieder für 3 Stunden

6. Da wir keinen Wasserturm mehr haben und die Gasheizung auch Strom braucht, braucht auch die Wasserversorgung Strom und genug Wasserflaschen zur WC-Spülung bereit halten

7. und jetzt mal die Liste zur Sicherheit der Ernährung, vielleicht einen Gaskartuschenkocher, halb vollem Tank im Kfz, warme Schlafsäcke haben und noch vieles mehr ... .

Der Schnee im Süden und der Sturm im Norden ist kein Problem, nur wenn die Stromversorgung weg ist... .

Das Paradoxe ist, das bei uns in SLH der meiste saubere Strom durch Windenergie und Solarenergie produziert wird und Windräder abgeschaltet werden müssen, weil die Leistung nicht in den Süden nur bis Hamburg transportiert werden kann. In Hamburg wurde schon eine Anlage mit Tankstelle gebaut, um die überschüssige Leistung zur Produktion von H2 zur beschleunigen für saubere KFZ mit Brennstoffzelle.

Zum Thema Notfunk wurde das 70cm Heide-Relais in Dorfmark/Heidekreis mit den Antennen und einer Richtfunkstrecke für HAMNET völlig autark an einem BOS-Standort aufgebaut. Die Stromversorgung wurde mit dicken Akkus+Solar+Windgenerator realisiert. Das ist der höchste Standort in dem Bereich und hält noch FM für BOS bereit aber wenn nichts mehr geht, geht das Heide-Relais je nach Jahreszeit länger als 3 Tage im Dauerbetrieb.

73
Gerhard

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Re: Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von DJ7WW » 8. Jan 2019, 17:15

OE5AKM hat geschrieben:
8. Jan 2019, 11:01


Braucht man uns am Ende gar nicht mehr? Machen wir uns etwas vor, wenn wir immer wieder unsere Hilfe im Not- und Katastrophenfall hervorkehren? Machen wir uns eventuell in den Augen der Öffentlichkeit damit sogar lächerlich?
Am ehesten noch in den Augen anderer Funkamateure.

73
Peter

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Re: Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von Funkonaut » 8. Jan 2019, 18:59

@Stefan/Gerhard...... O.K. dass im Katastrophenfall Hilfe egal von wem auch immmer angesagt ist, ist ja klar. Die von Gerhard genannten Beispiele sind ja einleuchtend.
Ich kann die Problematik auch nachvollziehen (Habe die Bücher "Blackout" und "Meteoreinschlag in England" gelesen)... wie aber wir als
Funkamateure uns da wirksam einbringen können, erschließt sich mir nicht ganz.
Wenn ich sehe, wie empfindlich unsere Systeme, welche ja immmer mehr miteinader verknüpft werden, reagieren, wird mir ja schon ganz anders, wenn ich dann auch noch an die Terrorgefährdung denke... :roll: (Vor ~ca. 2 Jahren wurde ja schon mal das E-Werk in Wien für einige Stunden gehackt!)
Vielleicht sollten wir die Hinweise der Regierung doch ernster nehmen und etwas mehr als meine "drei Nudelpakete" ;) vorhalten.
Ich weiß nicht mehr wo, habe aber mal die Empfehlungen gelesen. Das war eine ganze Menge und benötigte schon einigen Platzbedarf unter anderem schon wegen der Getränke für eine Woche, wenn die Wasserversorgung ausfällt. (Weinlager zugunsten von Wasserflaschen reduzieren :evil: ? na so beginnt das neue Jahr schon mal recht lustig).
Werde mich wohl doch nicht mehr über die Preppergemeinde lustig machen, sondern in deren Foren mal "rumschnüffeln" um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein.
Richte ich mir im Keller also eine "Nahrungsmittelreserveecke" ein, oder lieber eine Notstromversorgung um mein Funkequippment betriebsfähig zu halten?
Da fällt mir ein, dass meine Heizung ja auch ohne Strom ausfällt. Eine Woche ohne Heizung, und das bei eventuell starken Minustemperaturen, da wird mir ja ganz anders, und ich muß meine oben an Alfred gegebene Empfehlung "Ruhe bewahren, zurücklehnen und den Grog herausholen" doch nochmal überdenken.
Ich werde mal gleich meinen "Minimalstrombedarf" für Heizung und etwas Licht für einige Tage nachrechnen und einige Gaskartuschen für den Campingbrenner besorgen. Dem Elektroherd kann ich ja wohl vergessen.
Mal sehen, ob ich mit Accu und Stromwandler hinkomme oder ein kleines Notstromaggregat besorgen muß.
Kaum im neuen Jahr, ..... schon wieder neue Projekte überdenken (dabei sind die alten noch nicht mal erledigt).
Gruß vom "Amateur-Prepper"

DL8SFZ
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Re: Notfunk: Machen wir uns lächerlich?

Beitrag von DL8SFZ » 8. Jan 2019, 19:58

Hallo,

naja, ganz so schlimm halte ich es jetzt nicht mit den Akkus und Notstrom. Mein Auto hat zwei Batterien, mit denen dürfte ich auf UKW mit kleiner Leistung recht lange über die Runden kommen. Zudem habe ich nicht den Platz, ein Lebensmittellager zu erstellen. Auch nicht unbedingt die Lust dazu, das muss man dann schon aus Leidenschaft oder Hobby machen.

Wenn du im DARC bist, dort mal unter "Notfunk" nachlesen. Es gibt mittlerweile einige Dokumente, die genau aufzeigen, was im DARC im Ernstfall geplant ist. Falls du "Beitragssparer" bist, wirds natürlich etwas aufwendiger... ;) da musst dann einen OV aufsuchen...
Amateurfunk macht Intelligenz hörbar!

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